(01) 1944

Der Zweite Weltkrieg dauerte nun schon fast fünf Jahre. Ich war 16 Jahre alt, als ich zum "Wehrertüchtigungslehrgang" nach Koblenz gerufen wurde. Dort sollten wir zwei Wochen lang "vormilitärische" Ausbildung erhalten. Unsere Kaserne lag auf dem Asterstein bei Koblenz. Hier wurden wir nun von morgens früh bis abends spät "gedrillt". Unsere Ausbilder machten sich wohl eine Freude daraus, uns Jungen so richtig durch die Mangel zu drehen. Wir sollten ja abgehärtet werden, um später bei der Wehrmacht brauchbar zu sein. Dies war nun in der Zeit von Mitte Juni bis Anfang Juli 1944. Drei Monate später, der Krieg ging allmählich in seine Endphase, wurde ich wieder "dienstverpflichtet". Diesmal wurden wir zum "Schanzen" eingesetzt, das hieß, wir mußten Gräben ausheben, um den feindlichen Panzern den Weg zu versperren. Unser Einsatzort war Wincheringen. Der Ort liegt diesseits der Mosel zwischen Trier und Perl. Auf der gegenüberliegenden Seite war ja schon Luxemburg. Auf diesen Moselhöhen waren wir nun drei Wochen lang damit beschäftigt, kilometerlange Panzergräben auszuheben, mit Kreuzhacke und Schaufel. Bei schlechtem und diesigem Wetter ging das noch einigermaßen. Wenn aber klares Wetter herrschte, war es eine ganz gefährliche Arbeit. Dann mußten wir ständig mit Jabo-Angriffen rechnen. Wir lagen dann oft in unseren selbstausgeworfenen Gräben und suchten Schutz vor den feindlichen Flugzeugen. Wir hatten auch öfters "Verluste" zu beklagen, was uns den Ernst der Lage vor Augen führte. Genutzt hat die ganze Aktion nicht viel. Den Amerikanern boten diese Gräben kein Hindernis. Mit ihren schweren Raupen hatten sie eins-zwei einen Übergang geschaffen. Nach drei Wochen "Schanzarbeit" wurde ich "Gott sei Dank" krank und konnte wieder nach Lutzerath heimkehren. Es war mittlerweile Anfang November. Die Amerikaner waren schon weit in Frankreich und Belgien vorgedrungen und die Lage spitzte sich zu. Ich war noch zwei Wochen zu Hause, als auch schon der "Stellungsbefehl" zur Wehrmacht eintraf.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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