(12) Madame Decocker

Unser Bauer Monsieur de Clerq hatte direkt vis à vis eine Schwester wohnen, die auch einen Betrieb von ca. 100 ha bewirtschaftete. Madame Decocker war eine herzensgute Frau, leider schon seit mehreren Jahren Witwe. Es war nicht leicht für sie, den großen Betrieb zu führen. Daher war sie froh gewesen, als ihr Bruder den gegenüberliegenden Betrieb pachten konnte. So konnten beide in guter Übereinstimmung ihre Betriebe führen. Ihre beiden Kinder waren auch im Betrieb mit tätig. Die Tochter "Denise" war 17 Jahre alt und der Sohn "Astér" 15 Jahre. Durch dieses Verwandschaftsverhältnis arbeiteten wir also oft in beiden Betrieben und verstanden uns auch sehr gut. Madame Decocker erzählte mir später einmal, daß sie damals großes Mitleid mit mir gehabt hätte, als sie mich das erstemal mit den Pferden über die Straße fahren sah. Ich hätte so jung und schmächtig ausgesehen, und sei in meinem zarten Alter schon in Gefangenschaft. Sie hatte ja auch die Kinder im gleichen Alter und hat mich wohl mit ihnen verglichen. Mit ihnen traf ich mich abends öfter vor dem Hof und wir kamen ins Gespräch über dies und jenes. Da die beiden auch flämisch sprechen konnnten, war es für mich angenehm, mich mit ihnen zu unterhalten. Wir alberten viel miteinander herum, wie das unter Jugendlichen so üblich ist. Ich erinnere mich noch gut, daß wir drei zur Kirschenzeit abends auf die Bäume kletterten und uns an den Kirschen labten. Denise war wie ein Junge und stand uns beim Klettern in nichts nach. Astér, Denise und ich haben auch oft zusammen gesungen, und zwar die aktuellen Lieder der damaligen Zeit, z.B. "Lilli Marleen (Devant de la Caserne)", "Ah, le petit vin blanc", oder "je t´attendrai" usw. Ich habe sie nach und nach erlernt, und sie sind mir auch heute noch geläufig.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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