(15) Tauchabenteuer am Waschhaus

Ich hatte bereits von dem Waschhaus berichtet, das in Dampierre direkt an der Straße auf dem durchfließenden Bach stand. Etwa 10 m daneben war ein Wehr stationiert. Je nach Wassermenge des Baches konnte man den Durchfluß zum Waschhaus regeln. Durch den Rückstau entstand vor dem Wehr ein See, in dem man bequem schwimmen konnte. Wir Gefangenen kühlten uns nach getaner Arbeit öfters dort ab. Eines abends waren wir wieder dort am Schwimmen, als Mademoiselle Germaine Jeansson nebenan im Waschhaus ganz alleine mit Waschen beschäftigt war. Sie kniete hinter ihren "Boites a Genou", wir würden es Knieschoner nennen. Das waren Holzkisten, die zur Wasserseite geschlossen waren, mit einem schräg abfallenden Brett zum Wasser hin, auf das dann die Wäsche gelegt und geschrubbt wurde. Wie gesagt: Germaine war alleine, sie hatte uns nebenan nicht gehört. Ich hatte sie jedoch erspäht und kannte sie bereits, da unser Kamerad "Hein" auf der Ferme Jeansson arbeitete. Ich wollte mir einen Scherz erlauben und sie mal so richtig erschrecken. Beim Betrachten des Waschhauses kam mir der Gedanke, zwischen den eingerammten Balken durchzutauchen und an der Stelle, wo sie am Waschen war, wieder aufzutauchen. Gedacht, getan. Ich holte tief Luft und wagte es. Dabei hatte ich mir genau überlegt, wo ich auftauchen müßte. Nun war es schon fast dunkel, und es war nicht leicht, die Orientierung durch die eingerammten Pfosten zu behalten. Ich konnte zwischendurch auch nicht auftauchen, da das Wasser ja bis an die Bohlen reichte. So schlängelte ich mich also durch die Pfosten. Es dauerte länger, als ich gedacht hatte. Ich bekam es schon mit der Angst zu tun, als ich plötzlich doch einen helleren Schimmer an der Wasseroberfläche erblickte. Da wußte ich, du hast es geschafft. Nun gab ich mir alle Mühe, mit einem kräftigen Satz vor Germaine aufzutauchen. Sie war ja nichtsahnend brav mit Waschen beschäftigt und dachte an nichts Böses, als ich plötzlich wie "Neptun" aus dem Wasser heraus vor ihr auftauchte. Sie stieß einen unheimlichen Schrei aus und wurde wohl kreidebleich, was ich allerdings in der Dunkelheit nur vermuten konnte. Dann allerdings erkannte sie mich. Sie konnte sich nicht erklären, wo ich hergekommen war, und wieso ich plötzlich vor ihr auftauchen konnte. Ich erklärte ihr dann alles. Sie meinte, es wäre doch fast unmöglich, dort durchzutauchen, und bisher hätte es auch noch nie jemand versucht. Viele Jahre später ging ich einmal an diesem Waschhaus vorbei, als überhaupt kein Wasser durchlief. So konnte ich auch alle die eingerammten Pfosten sehen, durch die ich geschwommen war. Erst jetzt kam mir so richtig zu Bewußtsein, wie leichtsinnig ich damals gehandelt hatte. Es war wirklich mehr Glück als Verstand, daß ich damals den Weg durch die Pfosten gefunden hatte und richtig aufgetaucht war. Wenn man jung ist, denkt man kaum an die Gefahren.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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