(16) Hornissenabenteuer

Was meine allgemeine Gesundheit betraf, muß ich sagen, daß ich während meiner Zeit als Kriegsgefangener in Dampierre großes Glück hatte. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich einmal während der Arbeitszeit krank im Bett gelegen hätte, außer an einem Nachmittag, als ich von Hornissen gestochen wurde. Dies war so geschehen: Wir fuhren an einem heißen Junitag mit drei Gespannen in den nahen Argonnerwald, um Brennholz zu holen. Das war schon ein richtiger Treck. Der Bauer, Monsieur De Clerq, der Arbeiter Paul Royer, Eduard und ich mit je drei Pferden vor den schweren Holzwagen. Dort angekommen, begannen wir auch sofort mit dem Aufladen. Was wir aber nicht bemerkt hatten, war, daß sich genau in dem Baum, an dem das Holz angelehnt war, oben in der Krone ein Hornissennest befand. Durch den Lärm beim Holzladen und durch das Anstoßen an den Baum hatten wir sie wahrscheinlich gereizt. Als wir unsere Wagen in etwa zur Hälfte geladen hatten, schwirrten plötzlich einige Hornissen um uns herum. Sofort wurden die Pferde unruhig und schlugen mit den Köpfen und Schwänzen um sich. Das muß die Hornissen wohl noch mehr gereizt haben. Sie stürzten sich auf die Pferde und stachen zu. Besonders unser Leitpferd bekam einige Stiche ab. Wir versuchten, die Hornissen wegzuschlagen. Ich nahm meine Mütze vom Kopf und schlug damit auf sie ein. Im selben Moment flog eine Hornisse auf meinen Kopf und stach in Sekundenbruchteilen zu. Ich schlug sie tot, aber im nächsten Moment kam eine andere auf meinen Nacken und stach ebenfalls zu. Sie wurden immer wilder. Für uns gab es nur noch eins: Aufhören mit Holzladen und fluchtartig den Wald verlassen. Unterwegs wurde mir schlecht und schwindelig. Auch unser Leitpferd torkelte mit gesenktem Kopf den Weg entlang. Ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt, aber es heißt ja immer, daß sieben Hornissenstiche ein Pferd töten können und zwei Stiche einen Menschen. Ich glaube, man kann das nicht so wörtlich nehmen, sonst wäre ich ja wohl kaum noch da. In Villers en Argonne, einem kleinen Ort, durch den wir kamen, machten wir eine kurze Pause. Hier wurde ich in einem Hause von Bekannten mit einem Medikament, einer Art Mixgetränk, versorgt. Danach ging es weiter nach Dampierre, wo wir so um die Mittagszeit ankamen. Ich legte mich sofort ins Bett, da es mir immer noch übel war. Am anderen Tag ging es mir wieder besser, geblieben ist aber eine Angst vor Hornissen.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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