(25) Weitere Besuche

Unsere beiden Busfahrten 1973 und 1975 hatten sowohl in Givry als auch in Lutzerath ein sehr positives Echo gefunden. Die Lutzerather waren überrascht von der großen Gastfreundschaft der Franzosen. So war es naheliegend, daß sich auch die anderen Vereine und Gruppen unserer beiden Dörfer füreinander interessierten und eine Begegnung in freundschaftlichem Rahmen organisieren wollten. Am 3. und 4. Juli 1976 lud dann der Sportverein Lutzerath die Sportler aus Grivry zu einem ersten Gegenbesuch in Lutzerath ein. Bei Temperaturen um die 30 Grad wurden am Nachmittag gleich zwei Fußballspiele ausgetragen. Abends ging es dann zum Tanz im Saale Schneiders. Auch hier entwickelte sich eine freundschaftliche Athmosphäre und ein weiteres Mosaiksteinchen der Freundschaft wurde hinzugefügt. Man lernte sich näher kennen, und nun wollten sich natürlich auch andere Vereine begegnen. So erfolgte bereits im folgenden Jahr eine Einladung der Feuerwehr aus Givry an den Spielmannszug Lutzerath. Am 4. und 5. September 1977 fand dieser Gegenbesuch statt. Am Ortseingang von Givry wurden wir von der dortigen Musikkapelle empfangen und marschierten mit Musikbegleitung zum Festplatz, wo sich zahlreiche Franzosen zu unserem Empfang versammelt hatten. Es folgten Mittagessen, gemeinsames Konzert auf dem Festplatz und abends Tanz im Festsaal. Für alle Teilnehmer war dieser Besuch wieder ein besonderes Erlebnis. Wie immer war der Abschied sehr herzlich und der Kreis derer, die Bekannte oder gar Freunde im Nachbarland gewonnen hatten, war wieder größer geworden. Mittlerweile besuchten sich einige Bewohner aus Givry und Lutzerath auch außerhalb der offiziellen Treffen. Nun wollte die Lutzerather Feuerwehr ihrerseits die Feuerwehr aus Givry zu einem Gegenbesuch in Lutzerath einladen. Anläßlich eines großen internationalen Musikfestes, das am 28. und 29. Mai 1978 in Lutzerath stattfand, bot sich dazu eine gute Gelegenheit. Die Feuerwehr aus Givry wurde begleitet von dem Spielmannszug und den Mayoretten, eine Gruppe junger Mädchen, die durch ihre schicken Uniformen und gekonnten Tänze besonders auffielen. Es vergingen zwei Tage voller Musik in Lutzerath, an denen insgesamt 60 Vereine teilnahmen. Höhepunkt war der zweistündige Festzug durch den Ort, der in unvergeßlicher Erinnerung bleiben wird. Auch unsere Freunde aus Givry waren beeindruckt von diesem Fest und nahmen ein gutes Andenken mit nach Hause. Bereits im Herbst des gleichen Jahres, nämlich am 9. und 10. Sept. 1978, folgten die Lutzerather Fußballer einer Einladung nach Givry. Auf dem Sportplatz wurden in freundschaftlicher Athmosphäre zwei Fußballspiele ausgetragen. Beim anschließenden offiziellen Empfang sprach man zum erstenmal von einer offiziellen Partnerschaft der beiden Gemeinden. Leider muß ich erwähnen, daß der damalige Bürgermeister von Givry, Monsieur Labare, während der Fußballspiele auf dem Sportplatz einen Lähmungsanfall erlitt. Auf einer Trage wurde er dann nach Hause gebracht. Er lernte nie wieder gehen. Seine Krankheit verschlimmerte sich, und etwa 11 Monate später, am 7. August 1979, verstarb er im Alter von 68 Jahren. Es war ihm nicht vergönnt, die offizielle Partnerschaftsfeier mitzuerleben, die ein Jahr später stattfinden sollte. Er hatte sich immer sehr bemüht, die junge Pflanze der Freundschaft weiter wachsen zu lassen, und sie sollte in die Partnerschaft zwischen unseren beiden Gemeinden einmünden. Ihm sei ein ehrendes Andenken bewahrt. Am 10. und 11. Mai 1980 war es der Männergesangverein von Lutzerath, der zu einer zweitägigen Fahrt nach Givry startete. Nach einem Besuch in Reims und der Besichtigung einer Champagnerkellerei in Epernay kamen wir dann am späten Nachmittag in Givry an. Nach einem ausgedehnten Abendessen bei den Gastfamilien zeigte der MGV im vollbesetzten Saale von Givry eine Probe seines Könnens. Bei dem deutsch-französischen Abend sangen wir Volkslieder aus verschiedenen Ländern. Der Höhepunkt war dann das französische Lied "Au Claire de la Lune", das wir fast perfekt vortrugen. Es wurde ein langer Abend, bei dem der Rotwein dann auch die Sprachbarrieren überwinden half. Es wurden viele Brüderschaften getrunken, und man war ein Herz und eine Seele. Am anderen Morgen sangen wir im Hochamt, danach traf man sich beim Frühschoppen, und nach dem Mittagessen mußten wir, nach einem langen Abschied mit vielen Umarmungen und Küssen, schon wieder die Heimreise antreten. Durch die große Zahl der Freundschaften und Bekanntschaften, die sich mit jeder Fahrt vergrößerte, ergab sich immer häufiger das Problem der Verständigung untereinander. Nur wenige beherrschten die französische Sprache oder konnten sich in englisch unterhalten. Man war zwar mit dem Herzen dabei und versuchte auch, mit "Händen und Füßen" zu reden, aber es reichte dann oft nicht aus. Um diesem Problem etwas abzuhelfen, war ich gerne bereit, in Lutzerath auch Französisch-Unterricht zu erteilen, selbstverständlich kostenlos. Spontan meldeten sich ca. 30 Personen. Wir übten hauptsächlich die täglichen Gebrauchswörter, die bei unseren Treffen von Nutzen sein könnten. Acht Wochen lang drückten 30 Lutzerather jeden Mittwochabend noch einmal die Schulbank. Das machte allen Teilnehmern viel Spaß, man war mit Eifer dabei, und den Erfolg konnte man bei der nächsten Begegnung deutlich messen.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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