(26) Samstag, 20. Juni 1981: Erste Partnerschaftsfeier in Lutzerath

Am 20. Juni 1980 war es dann soweit: die offizielle Partnerschaft zwischen unseren Gemeinden sollte nun besiegelt werden. Diesmal waren es gleich zwei Busse mit ca. 120 Personen aus Givry und Umgebung, die zu diesem Fest anrollten. Es war allerdings nicht so einfach, für sie alle Quartiere in den Familien zu bekommen. Mittlerweile war jedoch die Bekanntschaft untereinander bereits so groß, daß dies dann doch keine größeren Probleme bereitete. Es waren auch zwei Fußballmannschaften aus Givry dabei, so daß der Nachmittag mit zwei Fußballspielen ausgefüllt war. Um 17.30 Uhr wurde dann die Partnerschaft zwischen Lutzerath und Givry en Argonne unter der Teilnahme der beiden Bürgermeister mit ihren Gemeinderäten in einer Feierstunde im Gemeindehaus vollzogen. Der neue Bürgermeister von Givry war nun "Francois Lefort". Er war vielen Lutzerathern bereits gut bekannt. Genau wie der verstorbene Bürgermeister Labare hatte er sich sehr um die Fortsetzung der freundschaftlichen Beziehungen untereinander eingesetzt. Nach Vorlesung der "Partnerschaftsurkunden" (s. Text im Anhang) konnten die beiden Bürgermeister die Urkunden unterschreiben. Von der französischen Seite war auch noch der "Conseiller General" des Bezirks Marne anwesend, Monsieur "André Boivin". Der Conseiller General in Frankreich ist eine von der Bevölkerung gewählte Person, die als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und dem Präsidenten eines Departements fungieren soll. Die Probleme der Bürger können über den Conseiller General direkt an den Präsidenten herangetragen werden. Er hat eine wichtige Funktion in Frankreich. Dieser Monsieur André Boivin war nun derselbe Mann, der mich 1945 aus dem Gefangenenlager La Chalade als damaliger Bürgermeister von Dampierre le Chateau abgeholt hatte. Uns verband schon seit vielen Jahren eine gute Freundschaft, und es war für ihn eine ganz besondere Ehre und Freude, an dieser Partnerschaftsfeier teilzunehmen. Abends ging dann die Feier unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der Ortsvereine im großen Festzelt weiter. Es wurden viele Festreden gehalten, viel gesungen und getanzt. (s. Zeitungsausschnitt im Anhang).Für mich war dies alles ein ganz besonders schöner Tag, auf den ich sehr stolz war. Meine jahrelangen Bemühungen, Feindschaft in Freundschaft umzuwandeln, waren nun erfolgreich und wurden anerkannt. Vor allem der Jugend wollte ich Bekanntschaft mit anderen Völkern vermitteln, damit sie in der Lage waren, besser über andere urteilen zu können, denn nur, wenn man sich kennt, kann man sich achten und schätzen lernen. Von den ersten Kontakten mit den Bewohnern von Givry bis zur offiziellen Partnerschaft war es schon ein langer Weg gewesen. Es würde zu weit führen, all die kleinen Besuche und Begegnungen zu erwähnen, die nötig gewesen waren, um dies alles zu organisieren. Daraus entstanden öfters richtige Freundschaften und auch Brieffreundschaften zwischen den Schülern unserer beiden Orte. Es war also eine Partnerschaft, die von unten nach oben entstanden ist. Viel Kleinarbeit war zwar nötig, um sie zu erreichen, aber ich glaube, dafür hat sie auch ein festeres Fundament bekommen, als manche Partnerschaft zwischen Städten, die von oben verordnet wurde, bei der aber die breite Bevölkerung nicht in dem Maße mit einbezogen wurde.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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