(27) 26. - 27. Juni 1982: Partnerschaftsfeier in Givry en Argonne

Bei der offiziellen Partnerschaftsfeier am 20. Juni 1981 in Lutzerath hatte Bürgermeister Lefort aus Givry die Verschwisterung der beiden Gemeinden mit einem Funßballspiel verglichen. Die erste Hälfte war in Lutzerath ausgetragen worden, die zweite Hälfte sollte nun, ein Jahr später, in Givry ausgetragen werden. Am 26. Juni starteten gleich zwei Busse aus Lutzerath nach Givry, um an dem zweiten Teil der Partnerschaftsfeier in Givry teilzunehmen. Auch diesmal konnten fast alle Teilnehmer in Privatquartieren von Familien aus Givry und Umgebung aufgenommen werden. Als besondere Überraschung hatten unsere Gastgeber in der Mitte des Ortes ein großes Wasserbecken errichtet. In einer großen Plane von 10 x 25 m, die rundum mit drei Reihen Stohballen abgedichtet war, wurde ca. 80 cm hoch Wasser eingefüllt. In diesem Wasserbecken wurden nun am Nachmittag verschiedene Wasserspiele als Wettkämpfe zwischen zwei Mannschaften aus Lutzerath und Givry ausgetragen. Die Bevölkerung war dabei und feuerte kräftig an. Es war ein herrlicher Nachmittag, und die Freude und Begeisterung war sehr groß. Nach der Siegerehrung für diese "Spiele ohne Grenzen", die von Lutzerath knapp gewonnen wurden, wurde kräftig gefeiert. Der Fanfarenzug und die Majoretten von Givry umrandeten das Nachmittagsprogramm mit ihren Spielen und Tänzen. In einer kleinen Feierstunde im Verwaltungsgebäude in der "Mairie" erfolgte dann die Eintragung ins Goldene Buch seitens der beiden Bürgermeister und der Gemeinderäte. Als Bindeglied und Initiator dieser Partnerschaft durfte ich dann zwischen die Unterschriften der beiden Bürgermeister die meinige setzen. Ähnlich wie in Lutzerath verlief dann der weitere Festabend mit Festreden und der Beteiligung der verschiedenen Vereine in voller Harmonie. Bis spät in die Nacht wurde getanzt. Am nächsten Tag wurde noch weiter gefeiert bis zum Abschied, bei dem das halbe Dorf wieder versammelt war. Wir fuhren zurück in der Gewißheit, wieder neue Freunde gewonnen und alte Freundschaften vertieft zu haben. Nach diesen beiden Partnerschaftsfeiern erfolgten in gewissen Abständen mehrere gegenseitige Besuche, die in etwa im gleichen Schema abliefen. So erschien am 4. und 5. Juni 1983 die Feuerwehr von Givry zum zweitenmal in Lutzerath. Im Herbst des gleichen Jahres, am 4. und 5. September 1983, fuhr die Jugendgruppe von Lutzerath nach Givry. Anlaß war die Verabschiedung des Pastors von Givry, L´Abbé Pasian. Acht junge Mädchen aus Lutzerath gestalteten gekonnt die Messe. Am 14. und 15. Juli 1984 war der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Lutzerath zum Nationalfeiertag der Franzosen nach Givry eingeladen. Mittlerweile hatte Lutzerath einen neuen Bürgermeister, Karl-Heinz Müllen, der zum erstenmal offiziell an dieser Fahrt teilnahm. Der langjährige Bürgermeister Johann Welter war an seiner schweren Krankheit leider zu früh verstorben. Ihm sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt für sein unermüdliches Engagement zur Entfaltung der Freundschaft zwischen Lutzerath und Givry. Wie immer am 14. Juli, wurde auch diesmal wieder viel gefeiert und getanzt. es wir an diesem Tag auch viel Tradition bewahrt, und der Gefallenen beider Weltkriege gedacht. Ihnen zu Ehren findet nachmittags der traditionelle Marsch durch den Ort zum Ehrenmal statt. Da nun unser Spielmannszug in Givry zu Gast war, sollte er an dieser Feier teilnehmen. Das war jedoch eine etwas delikate Angelegenheit. Man weiß, daß dem Franzosen ein starkes Nationalitätsgefühl und ein starker Patriotismus zu eigen ist. Nach Rücksprache des Bürgermeisters mit den "Ehrenlegionären", die ebenfalls eine Teilnahme des Lutzerather Spielmannszuges befürworteten, stand der gemeinsamen Feier nichts mehr im Wege. Die Ehrenlegionäre sind alte Frontkämpfer aus dem Ersten Weltkrieg und genießen eine besondere Hochachtung in Frankreich. Vor dem Ehrenmal angekommen, fanden nun die traditionellen Ansprachen statt. Die Bürgermeister unserer beiden Orte fanden behutsame Worte zur Ehre der Gefallenen unserer beiden Nationen und legten gemeinsam einen Ehrenkranz vor dem Denkmal nieder. Als dann unser Spielmannszug "Ich hatte einen Kameraden" spielte, ging mir das doch sehr unter die Haut und ich bekam feuchte Augen. Man überlege sich: 40 Jahre vorher hatten wir noch als Feinde gegenübergestanden, und nun war es so, daß wir als Freunde gemeinsam diese Ehrung durchführen durften. Dieser Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben Am 8. und 9. Juni 1985 erfolgte bereits der dritte Besuch des Sportvereins von Givry in Lutzerath. 26. - 27. Sept. 1986: Mit der Gemeinde Lutzerath zum 5jährigen Bestehen der Partnerschaft nach Givry mit Ehrenbürgerernennung Fünf Jahre nach Bestehen der Partnerschaft fuhren wir auf Einladung unserer Partner mit der Gemeindevertretung und vielen Bürgern aus Lutzerath nach Givry. Wie immer war der Empfang herzlich und alle wurden in Familien aufgenommen. Am Nachmittag fand ein offizieller Empfang mit Eintragung ins Goldene Buch statt. Abends trafen wir uns alle im Festsaal der Gemeinde, wo als besonderer Höhepunkt meine Ernennung zum Ehrenbürger von Givry vorgesehen war. Ich hatte zwar vorher gehört, daß ich irgendwie geehrt werden sollte, aber die Ernennung zum Ehrenbürger war dann doch eine Überraschung für mich. Nach der Festansprache des Bürgermeisters Lefort mit Verlesung der Ehrenbürgerurkunde (s. Anhang) übernahm die weitere Ehrung der Conseiller General, Monsieur Boivin, der mich 40 Jahre vorher aus dem Gefangenenlager abgeholt hatte. Er kannte meinen Weg von damals bis zu diesem Zeitpunkt genau, und es war ihm eine besondere Freude, für mich die Festrede zur Ehrenbürgerschaft zu halten. Im offiziellen Beschluß hieß es: "Wir ehren damit einen Freund und seine Verdienste, weil er diese so lebendige deutsch-französische Partnerschaft ins Leben rief." Weiter führte er aus: "Die Beziehungen sind deshalb so gut, weil Rudi Schenk auch unsere Sprache spricht. Seine Verdienste waren für uns Grund genug, ihn zu unserem Ehrenbürger zu machen." Ich war natürlich stolz auf diese Ehrung, wurden doch miene Bemühungen um das Näherkennenlernen unserer beiden Völker auf kleinster Ebene, um das gegenseitige Verständnis, um gegenseitige Achtung, um aus vergangener Feindschaft eine ehrliche Freundschaft zu gründen, auch seitens der Franzosen anerkannt und gewürdigt. Es war ein markanter Tag in meinem Leben. Ich bedankte mich herzlich für diese hohe Ehrung, und versprach auch weiterhin, alles zu tun, damit unsere Partnerschaft auch in Zukunft eine lebendige bleiben sollte.




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Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
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