(28) Weitere Treffen in den folgenden Jahren

19. - 20. Sept. 1987: 50 Bürger aus Givry und Umgebung weilten zwei Tage in Lutzerath. Wir besichtigten die Stadt Koblenz und die Festung Ehrenbreitstein und wie immer verlief der Samstagabend bei Tanz und Unterhaltung sehr harmonisch. 3. - 5. Sept. 1988: Eine Delegation von Lutzerathern nahm an der Einweihung des Verwaltungsgebäudes (Mairie) in Givry teil. 20. - 21. Mai 1989: Wieder einmal war der Spielmannszug Lutzerath zu Gast in Givry. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich etwas verändert in der Führung unserer Orte. In Givry hieß der neugewählte Bürgermeister Dr. Remy Jacquet, ein praktizierender Arzt, in Lutzerath war es Reinhold Müllen. Erfreulicherweise haben beide neugewählten Ortsbürgermeister mit dem gleichen Elan wie ihre Vorgänger die Partnerschaft Givry-Lutzerath unterstützt. In ihren Ansprachen bedankten sie sich für die geleistete Arbeit der beiden Vorgänger, Monsieur Francois Lefort aus Givry und Karl-Heinz Müllen aus Lutzerath. Zum Konzert auf dem Festplatz wirkten neben dem Spielmannszug der Fanfarenzug von Givry und eine Musikkapelle aus St. Menehould mit. Ansonsten verlief das Treffen wie immer harmonisch mit einem deutsch-französischen Abend. 30. Juni - 1. Juli 1990: Zu seinem ersten Besuch nach Lutzerath startete der neugegründete Kirchenchor von Givry am 30. Juni 1990. Für die Lutzerather war es eine Freude, daß die erste Fahrt dieses Vereins zu ihnen führte. Besonders die Mitglieder des Lutzerather Kichenchors nahmen sich ihrer französischen Sangesbrüder und -schwestern an. So war es leicht, einen Liederabend zu organisieren, an dem sich neben dem Gastchor aus Givry noch mehrere Vereine aus der Umgebung von Lutzerath beteiligten. Es wurde ein gelungener Abend, im Wechsel erklangen deutsche und französische Lieder. Besonders das Lied und der Gesang sind geeignet, Brücken der Freundschaft zwischen den einzelnen Nationen zu bauen, und so trug auch dieser Abend wieder zur Vertiefung der Freundschaften und zur Entstehung neuer Freundschaften bei.
1. - 2. Juni 1991: Zum 70jährigen Bestehen der Lutzerather Feuerwehr waren die Feuerwehrmitglieder aus Givry eingeladen. Nach einem Konzert im Festzelt und Aufnahme in die Familien fand abends wieder ein Ball im Zelt statt. Am nächsten Tag wurden Feuerwehrübungen und Wettkämpfe der Feuerwehren vorgeführt. Für unsere Gäste waren Wettkämpfe dieser Art und in diesem Umfang etwas Neues.
7. - 8. Sept. 1991: Besuch in Givry zum 10jährigen Bestehen der Partnerschaft
Aus Anlaß des 10jährigen Bestehens der Partnerschaft wurde wieder ein größeres Treffen vereinbart. Diesmal fuhren wir mit zwei Bussen nach Givry. Teilnehmer waren der Gemeinderat, der Kirchenchor, der Sportverein und sonstige Lutzerather Bürger. Nach der Eintragung ins Goldene Buch fand der Festabend im renovierten Festsaal statt. Unser Bürgermeister Reinhold Müllen überreichte als Gastgeschenk ein Kupferrelief, hergestellt von Gottfried Blang, mit den Motiven der Kirchen von Lutzerath und Driesch. Es erhielt einen Ehrenplatz im Saal. Anschließend begeisterten die Kirchenchöre aus Givry und Lutzerath die Zuhörer mit ihren Vorträgen von abwechslungsreichen Folklore-Liedern. Höhepunkt war das von beiden Chören gemeinsam vorgetragene Lied "Kein schöner Land" (s. Zeitungsabschnitt). Als besondere Überraschung präsentierten die Gastgeber dann zu Mitternacht eine dreistöckige Hochzeitstorte, als Sinnbild der Hochzeit zwischen unseren beiden Gemeinden. Als Ehrenbürger der Gemeinde Givry durfte ich dann die Torte anschneiden, und anschließend konnte jeder der ca. 400 Anwesenden ein Stück davon kosten. Bis in die frühen Morgenstunden wurde getanzt und gefeiert. Am anderen Tag bei der deutsch-französischen Gemeinschaftsmesse wartete der Kirchenchor Lutzerath mit einer neuen Überraschung auf. Gekonnt trug er das französische Lied "Vierge de Lumiere" vor, was mit starkem Beifall belohnt wurde. Zum erstenmal hatten die Franzosen zum Mittagessen im Festsaal eingeladen, wo alle Gastgeber mit ihren Gästen, es waren insgesamt 280 Personen, fast drei Stunden lang ein typisch französisches Essen einnehmen konnten. Es entwickelte sich eine sehr vertraute Atmosphäre, aus der heraus wir dann leider bald wieder Abschied nehmen mußten. Bei der Rückfahrt dachten und redeten wir noch viel von dieser schönen Begegnung. Es war wieder mal echte Gastfreundschaft, die uns da von unseren französischen Freunden entgegengebracht worden war. Für mich war es eine besondere Freude, daß die Partnerschaft auch 10 Jahre nach ihrer Gründung noch genauso lebendig war wie am ersten Tag, und die Freundschaft untereinander mittlerweile viele Familien verband.
14. - 15. Mai 1993: Anläßlich der 100-Jahr-Feier des Kirchenchores Lutzerath war wieder der Kirchenchor von Givry zu Gast und begeisterte mit seinen Vorträgen. Besonderen Applaus erhielt das in deutsch vorgetragene Lied "Wahre Freundschaft soll nicht wanken".
4. - 5. Juni 1994: Der Gemeinderat von Lutzerath weilte für zwei Tage in Givry. Nach einer gemeinsamen Sitzung der beiden Gemeinderäte in der Mairie traf man sich beim Grillfest am See und es wurde wieder ein harmonischer Abend.
4. März 1995: Privater Besuch in meinem alten Gefangenenlager: Am 4. März 1995 starteten wir mit dem uns befreundeten Ehepaar Stender wieder einmal zu einer Fahrt zu unseren Freunden nach Frankreich. Diesmal sollte es eine ganz besondere Fahrt werden, waren es doch auf den Tag genau 50 Jahre her, als ich in Gefangenschaft geriet. Ich wollte noch einmal Erinnerungen auffrischen. Aus diesem Grunde wollte ich unter anderem auch noch einmal unser ehemaliges Gefangenenlager "Lachalade" besichtigen. Ein paar Worte zur Geschichte: La Chalade ist ein altes Zistersienser-Kloster. Es liegt mitten im Argonnerwald, etwas südlich von Varennes. Es wurde Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut, mit Anschluß einer Klosterkirche. Die Mönche erbauten alles in eigener Regie. Sogar alles Glas für die vielen Fenster wurde von ihnen hergestellt (Verrier). Es wohnten zeitweise bis zu 400 Mönche dort. Sie schliefen in großen Räumen auf Stroh. Sie rodeten das ganze Tal der Biesme, ein Bachtal in den Argonnen, und wandelten es überwiegend in Viehweiden um, wie man heute noch sehen kann. So lebten sie ein paar Jahrhunderte bis zur französischen Revolution. Während der Revolution wurden einige Gebäude zerstört und die Mönche vertrieben. Etwa 50 Jahre später kam das Kloster wieder in ihren Besitz und wurde zum Teil erneuert. Die großen Säle wurden zu Zimmern umgebaut, daher konnten nur noch etwa 100 Mönche hier unterkommen. Sie lebten hauptsächlich von der Landwirtschaft und der Glasherstellung. Bei den Kämpfen im Argonnerwald während des Ersten Weltkrieges wurde das Kloster stark beschädigt. Die Mönche mußten das Kloster wiederum verlassen, es diente lediglich noch als Munitionslager. Nach dem Krieg wurde es nur noch notdürftig hergerichtet und blieb leerstehen. Die angrenzende Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde von La Chalade. Während und nach dem zweiten Weltkrieg diente es als Gefangenenlager, und ich verbrachte bekanntlich auch ein paar Wochen dort als Kriegsgefangener. So war es für mich schon etwas besonderes, genau 50 Jahre später nochmal den Ort zu besuchen, an dem ich moralisch ganz unten gewesen war und schlimmen Hunger erlitten hatte. Mittlerweile ist das Kloster in den Privatbesitz der Familie Chanan-Belval übergegangen, die es nach und nach instandsetzen ließ. Bei meinen verschiedenen Besuchen dort hatte ich die Familie kennengelernt und Freundschaft geschlossen. Sie ist sehr erfreut darüber, daß sich ein ehemaliger Kriegsgefangener für ihr Kloster und seine Geschichte interessiert. Ich durfte mich ins dicke Klosterbuch eintragen und als Erinnerung an den 50ten Jahrestag meiner Gefangenschaft tranken wir noch ein paar Gläser guten Moselweins und gaben und der Erinnerung hin. Wie hätte ich auch vor 50 Jahren ahnen können, daß es mir einmal vergönnt sein würde, in Freundschaft mit den Franzosen an dieser Stelle zu stehen, an der ich die dunkelsten Tage meiner Gefangenschaft durchleben mußte?
13. und 14. Mai 1995: Im Rahmen der gegenseitigen Partnerschaftsbesuche fuhr an diesem Tag zum erstenmal die Jugendwehr von Lutzerath und Driesch mit dem Spielmannszug nach Givry. Für viele der Jugendlichen war es der erste Besuch in einem anderen Land. Entsprechend stark waren die gewonnenen Eindrücke. Alle waren begeistert von der Gastfreundschaft unserer französischen Freunde. Dieser Partnerschaftsbesuch war außerdem von einem historischen Datum begleitet, waren es doch fast auf den Tag genau 50 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. In den Begrüßungsansprachen wurde besonders darauf hingewiesen. Man war dankbar und glücklich darüber, daß wir diese 50 Jahre in Frieden erleben durften, und daß es uns gelungen war, in dieser Zeit eine wirkliche Freundschaft aufzubauen. Wir hofften, daß besonders die Jugend diese Freundschaft weitertragen möge.




Inhalt




Autor: Rudolf Schenk · Deutsche Überarbeitung: Elisabeth Spenke · Französische Überarbeitung: Edith Viriot
Powered by New Hosting Internetservice